Dax-Vorstände reden Kauderwelsch

Die Universität Hohenheim hat seit Jahresbeginn untersucht, wie verständlich die Vorstandsvorsitzenden der Dax-30-Unternehmen auf Jahreshauptversammlungen sprechen. Am 8. Juni hat sie die Ergebnisse veröffentlicht. „Kauderwelsch in Führungsetagen“, resümiert die Pressemitteilung. Das mag überspitzt sein, geht aber wohl in die richtige Richtung: Auf einer Skala von 0 (so verständlich wie eine Doktorarbeit) und 10 (so verständlich wie Radio-Nachrichten) erreichen die 30 Vorstände im Durchschnitt gerade einmal 3,8 Punkte.

In der dpa-Meldung, die über verschiedene Medien verbreitet wurde (u.a. Spiegel, Welt, Stern), heißt es: „Zur Ehrenrettung muss gesagt werden, dass die Chefs ihre Reden in aller Regel nicht selber schreiben, sondern geschrieben bekommen und meist nur kleine eigene Korrekturen vornehmen.“ Das ist allenthalben bekannt. Mit Blick auf die oben genannten Untersuchungsergebnisse wirft dieser Hinweis Fragen nach der Qualifikation derjenigen auf, die die Reden schreiben (und nach dem Prozess, in dem Reden in großen Unternehmen entstehen).

Eine schlechte Rede vergibt man nie

Derlei Fragen scheinen die „Kauderwelsch-Könige” (Spiegel) aber weniger zu interessieren. Eine Nachfrage bei den Herren, deren Verständlichkeit noch unter dem nicht gerade berauschenden Durchschnittswert liegt, erbrachte keinerlei Resonanz. Bleibt an dieser Stelle nur die Erinnerung an folgenden Satz von Bernard Weatherill, ehemaliger Sprecher des britischen Unterhauses: „An eine gute Rede erinnert man sich vielleicht nicht immer, aber eine schlechte vergisst oder vergibt man nie.“

Trackbacks

  1. […] Universität Hohenheim Deutschlands führende Manager einem Verständlichkeits-Check unterzogen (zu unserem Beitrag aus dem vergangenen Jahr). „Prüfungsmaterial” lieferten ihnen die Vorstandsreden auf den Jahreshauptversammlungen der […]

  2. […] Es hat inzwischen schon Tradition: Zum dritten Mal hat die Universität Hohenheim in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt die Verständlichkeit der CEO-Reden auf den Hauptversammlungen der DAX-30-Unternehmen untersucht. Das Ergebnis: Im Vergleich zu den vergangenen beiden Jahren sind die Reden von deutschen Spitzenmanagern deutlich verständlicher geworden. Auf einer Skala von 0 bis 20 liegt der Mittelwert der Reden 2014 bei 12,3. Im Jahr 2013 hatte er noch bei 11,6, 2012 bei 9,8 gelegen (zu den Beiträgen über das Verständlichkeits-Ranking 2013 und 2012 geht es hier und hier). […]

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