Dax-Vorstände reden verständlicher – aber keineswegs alle

Es hat inzwischen schon Tradition: Zum dritten Mal hat die Universität Hohenheim in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt die Verständlichkeit der CEO-Reden auf den Hauptversammlungen der DAX-30-Unternehmen untersucht. Das Ergebnis: Im Vergleich zu den vergangenen beiden Jahren sind die Reden von deutschen Spitzenmanagern deutlich verständlicher geworden. Auf einer Skala von 0 bis 20 liegt der Mittelwert der Reden 2014 bei 12,3. Im Jahr 2013 hatte er noch bei 11,6, 2012 bei 9,8 gelegen (zu den Beiträgen über das Verständlichkeits-Ranking 2013 und 2012 geht es hier und hier).

Verschenkte Chance

Trotz der Verbesserungen verschenkten einige Vorstandsvorsitzende nach wie vor die Chance, mit ihren Reden eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen. Gelegentlich könne man sich des Eindrucks nicht erwehren, als wäre die Rede auf der Hauptversammlung ein lästiger oder unangenehmer Pflichttermin, so das Fazit der Studie. Die wesentlichen Verständlichkeits-Hürden seien Bandwurmsätze, abstrakte Begriffe, zusammengesetzte Wörter und nicht erklärte Fachbegriffe. Zusammengenommen ergebe sich dann Kauderwelsch statt Klartext. Dabei gelte: Nur wer verstanden wird, kann auch überzeugen. Daher sollten einige Grundregeln für verständliche Reden eingehalten werden: kurze Sätze, gebräuchliche Begriffe, Fachbegriffe übersetzen und zusammengesetzte Wörter möglichst vermeiden.

All diese Hinweise sind richtig – und keinesfalls neu. Zumindest einige Redner scheinen sich aber nicht für sie zu interessieren. So befinden sich beispielweise Michael Diekmann (Allianz) und Wolfgang Reitzle (Linde) im Verständlichkeits-Ranking stets unter den Bottom-5, wie die nachfolgende Tabelle zeigt:

2012 2013 2014
Allianz (Diekmann) Fresenius MC (Powell) Bayer (Dekkers)
DPDHL (Appel) Allianz (Diekmann) K+S (Steiner)
Metro (Koch) DPDHL (Appel) Beiersdorf (Heidenreich)
Fresenius SE (Schneider) Linde (Reitzle) Allianz (Diekmann)
Linde (Reitzle) Deutsche Börse (Francioni) Linde (Reitzle)

Beide stehen 2014 nicht nur am Ende des Gesamtrankings, sie fallen unter anderem auch durch zu länge Sätze auf:

CEO-Ranking_2014_Satzlängen

Viele Köche verderben den Brei

Die Satzlänge ist ein altes Thema (siehe meine Anmerkungen vom vergangenen Jahr), ebenso wie der Gebrauch von Fremdwörtern, Wordkomposita, Schachtelsätzen, Passivkonstruktionen und dergleichen mehr. Merkwürdig nur, dass immer noch so viele handwerkliche Fehler gemacht werden. Ein Teil der Erklärung dürfte sein, dass in großen Organisationen zu viele Personen in die Redeerstellung involviert sind. Was am Anfang womöglich noch eine gute Rede war, wird durch die Interventionen von Controlling, Compliance, Recht, und was andere noch mehr sind, häufig mehr verunstaltet als verbessert. Aber auch wenn, wie so oft, viele Köche drohen, den Brei zu verderben, sollte es im Wege einer Schlussredaktion möglich sein, eine Rede zu formulieren, die nicht nur den rechtlichen und Compliance-Anforderungen gerecht wird, sondern auch verständlich ist.

Zur Kurzfassung der Studie geht es hier.

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